Worum geht es?
Die Schweiz ist reich, präzise, neutral – und erstaunlich wasserarm, wenn es um Meere geht. Deshalb verlangen wir, dass dem Volk bei einer kommenden Abstimmung folgende seriöse Staatsfrage gestellt wird:
Es geht nicht darum, ob es möglich ist. Es geht darum, ob wir es wollen. Und ob wir die Eröffnung mit oder ohne Blasmusik planen.
Die Schweiz ist bereit – psychologisch und infrastrukturell
Wir haben Tunnel durch Berge gebaut, Züge, die in Minuten takten, und eine Verwaltung, die sogar für Wellen eine Zuständigkeit definieren kann. Ein Meer ist letztlich nur ein grosses Infrastrukturprojekt mit Wasser.
Selbstverständlich werden die besten Schweizer Ökologinnen und Ökologen eine Umweltverträglichkeitsprüfung erstellen, die so überzeugend ist, dass selbst die Möwen ein Formular unterschreiben. Gleichzeitig werden die ebenfalls besten Schweizer Ökologinnen und Ökologen (eine zweite unabhängige Gruppe, damit alles korrekt bleibt) ein System zur Wasserzufuhr entwickeln: nachhaltig, effizient und mit ausreichend Spielraum für diplomatisch elegante Wellenimporte.
Für die Wasserbeschaffung sind moderne, zukunftsfähige Lösungen vorgesehen: Meerwasser-Leasing, saisonale Strömungs-Abonnements und ein fairer Handel mit Gezeitenrechten. Die Schweiz wird dabei selbstverständlich nur Wasser beziehen, das in Bioqualität schwimmt.
Bundesamt für Meerwesen (BfM)
Zur Umsetzung der Initiative wird das neue Bundesamt für Meerwesen gegründet. Zuständig für Küstenplanung, Wellenzertifizierung, Möwenregistrierung, Strandetikette, Salzgehalts-Compliance sowie die korrekte Ablage aller Anträge in neutralen Ordnern.
Das BfM ist organisatorisch dem Departement für Gewässer, Gefühle und geordnete Freizeit zugeordnet (provisorische Bezeichnung, bis das Namensfindungsformular genehmigt ist).
Formulare, Bewilligungen und Stempel
Damit das Schweizer Meer von Beginn an rechtssicher, geordnet und moralisch einwandfrei wellt, gelten klare Verfahren. Für das Betreten der Küstenzone wird Formular 17b/Meer benötigt. Für das Schwimmen zusätzlich der Anhang Welle-3 (bitte in dreifacher Ausführung).
Möwen erhalten eine Aufenthaltsbewilligung Typ L-Flügel, mit Verlängerungsoption nach erfolgreichem Sprachtest (Grundwortschatz: „Mine“, „Frites“, „Neutralität“). Seesterne werden als Saisonpersonal eingestuft.
Bearbeitungszeiten sind abhängig von Mondphase, Gezeiten, und der Verfügbarkeit des Rundstempels „EINGEGANGEN (salzfest)“.
Schweizer Strandordnung (Entwurf)
Strandplätze können online reserviert werden. Sonnenschirme müssen symmetrisch stehen. Wellen sind verpflichtet, im Abstand von exakt 58,5 Sekunden zu erscheinen (Ausnahmen nur bei höherer Bürokratie).
Handtücher dürfen maximal 90 Minuten unbeaufsichtigt liegen bleiben. Danach gelten sie als „herrenlos“ und werden dem Fundbüro für Textilien mit Meeresbezug zugeführt.
Die Schweizer Marine
Mit dem Schweizer Meer erhält die Schweiz erstmals eine eigene Marine: diskret, neutral, pünktlich und mit vollständig ausgefüllter Dokumentation. Angriffe erfolgen ausschliesslich nach Terminvereinbarung und nur mit gültiger Eingangsbestätigung.
Kriegsschiffe werden in dezenten Farben geliefert. Kanonen nur mit Lärmschutzauflage und Schussprotokoll.
Neue Branchen am Meer
Küstenhotels mit Lärmgrenzwerten, zertifizierte Sonnenuntergänge, Fondue-Strandbars und die weltweit erste normierte Wellenhöhe. Dazu Fischerei mit AOP-Ambitionen und Meersalz in homöopathischer Menge – dafür mit exzellenter Qualität.
Der Export von Schweizer Meersalz wird voraussichtlich 0 Tonnen betragen, aber sehr stolz kommuniziert.
Handel, Sicherheit und ein diskreter Schweizer Zugang zum Ozean
Mit dem Schweizer Meer entsteht eine direkte Anbindung an globale Handelsrouten. Über geplante, hoch effiziente Kanäle wird der Anschluss an andere Meere gewährleistet, damit der Schweizer Flotte der Weg in den Welt-Ozean offensteht – neutral, pünktlich und mit sauber ausgefüllten Papieren.
Die Vorteile liegen auf der Hand: ein maritimer Wirtschaftsraum, Küstenlogistik, moderne Hafeninfrastruktur, Fischerei mit AOP-Ambitionen und endlich ein Ort, an dem man „Seeluft“ nicht nur als Marketingbegriff verwenden muss.
Auch der Tourismus profitiert: Strandabschnitte mit Reservationssystem, Sonnenuntergänge nach Fahrplan und eine Promenade, die so sauber ist, dass man darauf Fondue servieren könnte (was selbstverständlich reguliert wird).
Mehr Lebensqualität – und endlich Brandung
Kinder werden lernen, was „Brandung“ ist, ohne zuerst ein Flugticket zu benötigen. Seniorinnen und Senioren erhalten amtlich ausgeschilderte Küstenwanderwege mit Bänken, die in exakt gleichen Abständen stehen. Pendler fahren im Sommer per Katamaran zur Arbeit, und der Begriff „Badi“ bekommt eine neue, nationale Dimension.
Ausserdem stärkt ein Meer das Selbstverständnis: Die Schweiz ist nicht länger nur ein Binnenland, sondern ein Binnenland mit Meer. Ein feiner, aber entscheidender Unterschied.
Neue Flagge – mit amtlich genehmigter Brandung
Ein Meer ohne Symbolik wäre wie ein Antrag ohne Beilage: formal möglich, aber emotional unerquicklich. Darum sieht die Initiative eine behutsame Modernisierung der Schweizer Flagge vor – selbstverständlich nur nach Volksentscheid und mit klarer Normierung der Wellenhöhe.
Der Schweizer Flagge wird eine blaue, wellenförmige Zusatzlinie hinzugefügt. Die Platzierung richtet sich nach der vom Volk gewählten Meereslösung: Beim Nordmeer-Modell erscheint die Welle oben, beim Südmeer-Modell unten. Bei der Doppelmeer-Lösung wird die Flagge konsequent oben und unten eingerahmt – damit die Küste endlich überall dort ist, wo sie politisch gebraucht wird.
Hinweis: Die exakte Krümmung der Wellenlinie wird im Rahmen einer Verordnung (Entwurf) festgelegt und ist abhängig von Gezeiten, Druckerkompatibilität und der Verfügbarkeit des Rundstempels „SYMBOLIK GENEHMIGT“.
Schweizer Meer
Weil man nicht einfach jahrhundertelang reich sein kann und dann so tut, als sei eine Küste „zu viel verlangt“.
Hinweis: Dieses Projekt ist ungefähr so realistisch wie ein Gratis-Kaffee am Flughafen Zürich. Aber deutlich demokratischer.